Plastik in der Dermatologie

Im medizinischen Alltag fällt bei der Patientenversorgung von der Spritzkanüle bis zu aufwändigen OP-Sets, Handschuhen, Masken und Laborbedarf viel Plastikabfall an. Zudem spielen in der Routine einer dermatologischen Praxis oder Klinik zahlreiche in Plastik verpackte Proben für Pflegemittel unterschiedlichster Herkunft eine wichtige Rolle in der Patientenversorgung.

 

Es gibt über 200 verschiedene feste Plastikarten unterschiedlichster Zusammensetzung. Plastik ist omnipräsent und akkumuliert bereits seit Jahrzehnten über Flüsse, Abwässer und Regenwasser im Meer. Aktuell wird geschätzt, dass bereits 14 Millionen Tonnen Mikroplastik auf dem Meeresboden liegen. 

Die meisten dieser Stoffe sind biologisch gar nicht oder nur schwer abbaubar und können im städtischen Bereich, abhängig von ihrer Größe, bis heute nicht über Klärwerke aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Über die Nahrungskette gelangen diese Stoffe zurück auf den Teller.

 

Grundsätzlich wird Plastik unterschiedlich gewichtet:

 

  • Makroplastik in Form von Verpackungsmaterial wie z. B. Tuben, Flaschen und Tiegeln.

 

  • Mikroplastik als feste synthetische Verbindungen unterschiedlicher Zusammensetzung bis maximal 5 mm Durchmesser. Diese fallen als primäres Mikroplastik in Rezepturen von Externa z. B. als feste Stoffe wie z.B. Reibepartikel, Pasten und Pulver an. Weiterhin werden hierunter auch die häufigeren flüssigen Polymere aufgeführt, die z. B. als Emulgatoren und Konservierungsstoffe in Externa enthalten sein können. Sekundäres Mikroplastik hingegen entsteht mittels Abrieb- und Zersetzungsprozessen durch Sonne und Wind aus Makroplastik.

 

Seit ein paar Jahren mehren sich Hinweise, dass einige dieser Stoffe gesundheitsschädliche Auswirkungen haben. Dazu zählen z. B. Allergene wie Acrylate, tumorinduzierende Parabene, hormonaktive Substanzen wie endokrine Disruptoren und weitere Inhaltsstoffe von Sonnenschutzmitteln, die nachweislich weltweit zum Absterben der Korallenriffe führen.

 

Eine im März 2021 erschienene Studie aus San Francisco konnte mittels Massenspektrometrie 109 Industrie-Chemikalien im Blut von Neugeborenen und ihrer Mütter nachweisen. Damit wurde klar gezeigt, dass chemische Nanopartikel die Plazentaschranke passieren können. 55 Stoffe wurden zum ersten Mal im menschlichen Blut nachgewiesen. 28 Stoffe waren eindeutig dem kosmetischen Sektor zuzuordnen. Für 42 chemische Verbindungen konnten die Quellen und Anwendungsbereiche nicht ermittelt werden.

 

Dies gibt Anlass zu höchster Besorgnis. Es fehlen Studien, die überprüfen, welche Interaktionen durch die Vielzahl der chemischen Stoffe in der Umwelt entstehen können, ob sich diese als toxisch erweisen und inwieweit sie Einfluss auf die Embryogenese von Lebewesen nehmen können.

© Dr. med. Dipl. Biol. Susanne Saha 03/2021

 

 

​Referenzen: