Dosieraerosole
Klimarelevante Therapie

Die Therapie von Asthma und COPD ist klimarelevant

Der größte Anteil der Dermatologinnen und Dermatologen ist als Allergolog*innen mit der Diagnostik und Therapie allergischer Erkrankungen der oberen Atemwege wie z. B. Rhinokonjunktivitis allergica und Asthma vertraut. Durch den Klimawandel bedingte jahreszeitliche Verschiebungen und Verlängerung der Pollensaison haben allergische Atemwegserkrankungen seit den 80iger Jahren stark zugenommen, was sich auf die Verschreibungshäufigkeit von DAe und PI auswirkt.

Täglich werden gegen allergisches Asthma Medikamente u. a. in Form von zwei verschiedenen Applikationsformen verordnet:

 

  1. Dosieraerosole (DAe) werden an den Mund angesetzt. Durch Druck auf den Auslöser wird bei gleichzeitiger Einatmung ein Treibmittel mit Wirkstoff in die Atemwege befördert.

  2. Pulverinhalatoren (PI) werden durch den Mund umschlossen. Die Inhalation erfolgt durch Sog bei schneller Einatmung.

Treibmittel von Dosieraerosolen sind klimaschädlicher als Pulverinhalatoren

Neben dem Treibhausgas Kohlendioxid, dessen Anteil seit der Industrialisierung stark gestiegen ist, werden weitere Treibhausgase wie Methan, Lachgas und künstlich erzeugte fluorierte Treibhausgase (F-Gase) in die Atmosphäre freigesetzt. F-Gase beeinträchtigen die Ozonschicht, im Gegensatz zu FCKW, dessen Herstellung weltweit seit 2020 verboten wurde, nicht.

F-Gase sind nicht nur in Produkten wie Gefriertruhen, Klimaanlagen, Feuerlöschern und Dämmstoffen enthalten, sondern auch in Asthmasprays. Das Treibhauspotenzial dieser Gase ist etwa 100- bis 23.000-mal so hoch wie das von Kohlendioxid. Die Verweildauer in der Atmosphäre beträgt zum Teil zwischen ein paar Jahrzehnten bis mehrere hundert Jahre. Weltweit tragen sie mit rund zwei Prozent zum Treibhauseffekt bei und damit etwa so viel wie der internationale Luftverkehr. Frühere Untersuchungen haben z. B. gezeigt, dass die in England verschriebenen DAe mit 3,9 % am CO2-Fußabdruck des britischen Gesundheitssystems (National Health Service) beteiligt sind. In Deutschland machten F-Gas-Emissionen bereits 2014 laut Umweltbundesamt etwa 1,6 Prozent der Treibhausgasemissionen aus.

Die in Asthmasprays eingesetzten F-Gase, meist das Tetrafluorethan HFA 134a und das das Heptafluoropropan HFA 227ea, sind starke Treibhausgase und bis zu 1.430 bzw. 3.220 Mal potenter als Kohlendioxid.

Gegenüberstellung Dosieraerosole (DAe) – Pulverinhalatoren (PI)

Vergleicht nun man die Kohlendioxid-Bilanz von DAe mit PI, ist die von PI bis zu 20-mal besser als die von DAe.

Die meisten Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen, welche bei der Therapie von Asthma und COPD eine Rolle spielen, sind sowohl als DAe als auch als PI erhältlich.

Tabelle Dosieraerosole.png

* In Studien wurde gezeigt, dass die Wirksamkeit der jeweiligen Systeme DAe versus PI nicht von der Art des Medikamentes, sondern von der korrekten Anwendung abhängt.

** vgl. https://bmjopen.bmj.com/content/9/10/e028763

Empfehlung zur Verordnung von Asthma-Medikamenten:

 

  • Verordnung von Pulverinhalatoren erwägen, wenn ein tiefer Atemzug über 2-3 Sekunden oder ein längerer Atemzug über 4-5 Sekunden möglich ist, da diese eine deutlich bessere Klimabilanz aufweisen.

  • Beim Einsatz von Dosieraerosolen als Notfallmedikament oder bei älteren Menschen sollte eine sorgsame Aufklärung nicht nur zur Nutzung, sondern auch zur Entsorgung erfolgen.

  • Treibmittel in Dosieraerosolen beachten, da diese sich in der Klimabilanz deutlich unterscheiden.

  • Dosieraerosole korrekt entsorgen, da Restgase nach Nutzungsende entweichen und die Inhalatoren Gefahrgut darstellen.

  • Entsorgungsangebote für Arzneien sind von der Kommune abhängig. Hier finden Sie weiterführende Infos.

© Dr. med. Christina Hecker und Dr. med. Dipl. Biol. Susanne Saha 07/2021